Colmi

Neue Strukturen in alten Mauern. Nachverdichtung eines Hinterhofs. 

Projekt: Direktauftrag, 2020 - 2024, Basel, Schweiz
Team: Shadi Rahbaran, Ursula Hürzeler, Simon Würgler (PL), Natacha Batista, Philipp Bosshart
Fotos: Weisswert, Basel (Fertigstellung), Rahbaran Hürzeler Architekten (Baustelle)  

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Das Projekt Colmi ist ein herausragendes Beispiel für ‘Reduziert Bauen – Besser Wohnen’ weil…’
In einem typischen Basler Hinterhof ist ein dichtes städtisches Ensemble aus Wohnen, Kleingewerbe und Ateliers entstanden. Die neuen Wohn- und Arbeitsräume sind entlang von bestehenden Hofmauern angeordnet. Sie wurden sowohl durch Umnutzung der bestehenden Strukturen als auch durch ergänzende Neubauten geschaffen. Der gemeinschaftliche Hof, der allen Bewohner:innen gleichermassen zur Verfügung steht und als Treffpunkt dient, bildet die räumliche und soziale Mitte des Projekts.
Ausgangssituation war ein von Natursteinmauern und Kletterpflanzen umrahmter Hof mit kleinen Gebäuden und Werkstätten. Hinzu kamen ein versteckter, überhoher Natursteinkeller und ein Pferdestall aus dem Jahr 1889. Sie bestimmten die situativen Eingriffe und die bauliche Ergänzung durch drei neuen Gebäudekörper entlang der Hofmauern. Zusammen bilden sie ein neues, dichtes Ganzes mit einer grossen typologischen Vielfalt an Wohnformen auf kleinstem Raum.
Trotz ihrer kompakten Anordnung sind die Wohnungen von Durchsichten, räumlichem Reichtum und Sichtbezügen geprägt. Den grössten Zuwachs an Wohnraum ermöglichte das neue Vorderhaus: Die Geschosswohnungen mit flexibel abtrennbaren Räumen lassen sich an unterschiedliche Nutzungsbedürfnisse anpassen. Die Tragstruktur besteht aus einer schlanken Stützen-Platten-Konstruktion aus Beton, die sich in die seitlichen Brandmauern aus Naturstein einfügt und von einem aussteifenden Treppenkern gestützt wird. Die Fassade sowie sämtliche inneren Trennwände sind als Leichtbau konstruiert und bei Bedarf anpassbar.
Der alte Pferdestall wurde zu einem Wohnatelier ausgebaut und bietet flexible Räume zum Wohnen und Arbeiten. Daneben entstanden im Hof weitere Wohnungen: So reihen sich an der nördlichen Brandwand drei neue, knapp geschnittene Townhouses aneinander. Sie zeichnen sich durch eine grosse Wohnküche auf der Hofebene, private Zimmer im Obergeschoss und einen gemeinschaftlichen Dachgarten aus.
Der imposante, aber feuchte Weinkeller unterhalb dieser neu errichteten Reihenhäuser stellte zugleich eine Chance und Herausforderung dar: Eine eingezogene Glasfassade schafft einen wettergeschützten, beheizbaren und multifunktionalen Raum. Über eine neue Aussentreppe und einen Lichthof wurde der Naturkeller zum Tageslicht hin geöffnet und durch einen Garten ergänzt.
In der Parzellenmitte steht als viertes und letztes Gebäude ein Pavillon. Der grosse, durch Vorhänge unterteilbare Raum dient als Gemeinschaftsraum, inmitten des reichhaltig bepflanzten Hofraums.
Die Neubauten sind als nachhaltige Holz- und Holz-Beton-Hybridbauten konzipiert und verzichten fast gänzlich auf Aushub. Beim Entwurf wurde darauf geachtet, materialgerecht zu konstruieren und möglichst umfassend mit nachwachsenden Materialien wie Holz zu bauen. Deshalb kommt Beton nur dort zum Einsatz, wo er statisch sinnvoll und notwendig ist. Erdsonden versorgen die Bauten im Winter mit Wärme und kühlen die Böden im Sommer, zwei Fotovoltaikanlagen decken den Bedarf an Strom.
Im Vorderhaus produziert inzwischen eine junge Konditorin ihre Patisserie, und zum Hof hin befindet sich ein Design-Atelier. Im grossen Naturkeller hat ein Pilates Studio Einzug genommen und bringt tagsüber eine halböffentliche Bewegung in den Hof. Der Hofraum ist somit nicht nur grüne Oase und Treffpunkt für die Bewohner:Innen, sondern durch seine durchmischte Nutzung auch ein lebendiger Gemeinschaftsort im Quartier.